Freigemessene Abfälle

Deponierung

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Atomausstieg ist in vollem Gange. Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) baut auch Block I des Kernkraftwerks in Neckarwestheim ab. Ein relativ kleiner Anteil des dort entstehenden Bauschutts gilt als so schwach mit Strahlung belastet, dass er nach einer Messung und Freigabe durch das Umweltministerium auf regulären Deponien gelagert werden muss. Die AVL ist als Betreiberin zweier Deponien gesetzlich verpflichtet, einen Teil dieser so genannten „zweckgerichtet freigegebenen“ oder „zweckgerichtet freigemessenen“ Stoffe auf ihren Anlagen zu deponieren. Voraussichtlich etwa 3.350 Tonnen freigegebener Bauschutt werden in den kommenden Jahren auf den Deponien AM FROSCHGRABEN in Schwieberdingen und BURGHOF bei Vaihingen/Enz-Horrheim erwartet.
Wir sehen uns als öffentliches Unternehmen in der Pflicht, die Öffentlichkeit regelmäßig über das Thema zu informieren. Darüber hinaus haben wir – über die gesetzlichen Vorschriften hinaus – das renommierte Öko-Institut damit beauftragt, das Sickerwasser der Deponien regelmäßig unter strahlenschutztechnischen Gesichtspunkten zu überwachen.

Auf dieser Seite finden Sie häufig gestellte Fragen, die jeweiligen Jahresberichte des Öko-Instituts sowie rechtliche Hintergründe und Hinweise rund um dieses Thema. Sollten Sie weitere Fragen haben, schicken Sie uns gerne eine E-Mail an kommunikation@avl-lb.de

Mit freundlichen Grüßen

Tilman Hepperle
Geschäftsführer der AVL GmbH
 

FAQs zu zweckgerichtet freigemessenen Abfällen

Bei diesen Abfällen handelt es sich um mineralische Abfälle, die beim Rückbau anfallen, umgangssprachlich werden diese Abfälle als „Bauschutt“ bezeichnet. Dazu zählen z. B. Beton, Ziegel, Fliesen, Keramik, Boden, Steine oder Dämmmaterial.

Das Umweltministerium Baden-Württemberg beschreibt den Freigabeprozess wie folgt: Beim Vorgang des Freimessens wird geprüft, ob und wie radioaktiv Abfälle tatsächlich sind.  Die Grenzwerte dafür sind in der Bundesstrahlenschutz-Verordnung festgelegt. Material, dessen Radioaktivität nachweislich diese Freigabewerte unterschreitet, kann zur Deponierung freigegeben werden (§ 32ff. Strahlenschutz-Verordnung). Dazu muss die Strahlendosis unter 10 μSv/a liegen. Dieses freigegebene Material muss dann nicht mehr strahlenschutzrechtlich überwacht werden. Für seine weitere Behandlung gelten die Vorgaben des Abfallrechts (Kreislaufwirtschaftsgesetz). Unabhängige Sachverständige der Atomaufsicht überwachen den Vorgang des Freimessens lückenlos. Zusätzlich prüft ein Gutachter im Auftrag der AVL das Material stichprobenartig ein weiteres Mal. Diese Freimessung ist dann eine der Grundlagen der offiziellen Freigabe, die das Umweltministerium als Atomaufsichtsbehörde erteilt. Das Wort „zweckgerichtet“ beschreibt den Zweck der Freigabe, im Fall der AVL sind das Abfälle, die für den Zweck der Deponierung freigeben werden. Daneben gibt es auch Abfälle, die z. B. zur Verbrennung oder ohne Zweckbindung für den normalen Stoffkreislauf freigegeben werden.

Wir erwarten insgesamt etwa 3.350 Tonnen freigegebenen Bauschutt aus Neckarwestheim. Dieser wird in kleinen Chargen über mehrere Jahre hinweg angeliefert werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 haben wir insgesamt rund 218.000 Tonnen mineralische Abfälle auf der Deponie AM FROSCHGRABEN sowie rund 246.000 Tonnen auf der Deponie BURGHOF eingebaut.
 

Bei der Entscheidung, wie die Abfälle entsorgt werden müssen, spielt deren ursprüngliche Position im Kraftwerk keine Rolle. Relevant ist nur die Messung der Radioaktivität. Deren Ergebnis entscheidet darüber, was mit den Abfällen passiert. Anhand der Messwerte werden die Abfälle einer Entsorgungskategorie zugeordnet und dann für den jeweiligen Entsorgungsweg freigegeben. Wie gemessen wird, steht in der für Baden-Württemberg vereinbarten sogenannten „Handlungsanleitung“ und in der Strahlenschutz-Verordnung. Die Messung nimmt die Kraftwerksbetreiberin EnBW unter Aufsicht des Umweltministeriums vor. Dazu prüft ein vom Umweltministerium beauftragter unabhängiger Gutachter alle Messungen der EnBW. Das von der AVL beauftragte Öko-Institut prüft nochmals stichprobenartig die Messungen der EnBW.

Wir rechnen damit, dass im Laufe des Jahres 2020 die Anlieferungen beginnen werden. Insgesamt gehen wir von einem Zeitraum von etwa zehn Jahren aus, bis alle Abfälle aus Neckarwestheim Block I, die wir abnehmen müssen, eingelagert sind.

Zur ersten Anlieferung werden Pressevertreter/innen eingeladen, sodass die Öffentlichkeit davon erfährt.

In einem ersten Schritt meldet die Kraftwerksbetreiberin EnBW ihre Charge beim Umweltministerium, dem unabhängigen Sachverständigen nach § 20 Atomgesetz (AtG) und der AVL an. Alle vier Beteiligten vereinbaren einen Termin, bei dem die Charge kontrolliert wird. Nach dieser Kontrolle verplombt der AtG-Sachverständige die Abfälle. Anschließend übersendet die EnBW eine umfassende Dokumentation der Charge an die AVL. Diese Dokumentation enthält Bestandslisten, Protokolle, erforderliche Nachweise, Bildaufzeichnungen usw. Die AVL muss erneut intensiv prüfen, ob der Vorgang korrekt abgelaufen ist und das Material eingelagert werden kann. Fällt diese Prüfung positiv aus, stellt die AVL der EnBW eine vorläufige Annahmeerklärung für die angemeldeten Abfälle aus. Diese und weitere Unterlagen sendet die EnBW an das Umweltministerium. Falls das Umweltministerium zustimmt, erklärt die AVL endgültig, dass sie die angemeldeten Abfälle annimmt und vereinbart dazu einen Anlieferungstermin mit der EnBW. Die EnBW informiert parallel die Sachverständigen, wann die in großen Kunststoff-Säcken (Big Bags) verpackten Abfälle in den Anliefercontainer geladen werden, damit sie diesen verplomben können. Das ganze Verfahren stellt sicher, dass ausschließlich die Abfälle auf die Deponie kommen, die auch freigegeben wurden. Bei der Anlieferung muss sich der LKW-Fahrer wie alle Kunden an der Deponiewaage anmelden und die Unterlagen vorlegen. Dazu gehören das Formblatt zur zweckgerichteten Freigabe, das Protokoll zur Verladung/Verplombung, die Annahmeerklärung sowie der Begleitschein des Transporteurs. Diese Unterlagen prüft die AVL noch ein letztes Mal, ebenso, ob die Plombe am Container unversehrt ist. Wenn alles stimmt, begleitet ein AVL-Fahrzeug den LKW zur vorbereiteten Einbaustelle auf der Deponie. Dort werden die Big Bags nach AVL-Handlungsanleitung sicher eingebaut. Unter anderem wird kontrolliert, dass auch jeder einzelne Big Bag korrekt verplombt ist. Das Deponiepersonal baut sie so ein, dass die Big Bags nicht gestapelt werden. Anschließend werden sie mit geeignetem Material, z. B. Bauschutt oder Erdaushub, abgedeckt. Der gesamte Vorgang wird mit Fotos dokumentiert. Zudem wird die exakte Position der Einbaustelle mit GPS erfasst und gespeichert. Diese Unterlagen bewahrt die AVL auf, bis die Deponie eines Tages aus der Nachsorge entlassen wird.

Wir bauen alle Abfälle auf unseren Deponien sicher ein. Gleichzeitig spielt die Sicherheit unserer Mitarbeiter stets eine große Rolle. Daher schulen wir unsere Mitarbeiter regelmäßig zu verschiedenen Themen der Arbeitssicherheit und natürlich auch zum Umgang mit den freigegebenen Abfällen aus Neckarwestheim.

Die freigegebenen Abfälle werden vor deren Transport zu den Deponien in Big Bags verpackt und auf Paletten lagernd zur Deponie transportiert. Unmittelbar nach der Ankunft auf den Deponien werden die Big Bags auf den Paletten eingebaut und abgedeckt. So ist gewährleistet, dass kein Staub entsteht. Gemessen werden die Abfälle übrigens ohne jegliche Verpackung. Das heißt, alleine durch das Verpacken sinkt die Strahlendosis.

Nein, die Strahlendosis von 10 µSv/a bezieht sich rein auf Personen, die unmittelbar am Entsorgungsvorgang beteiligt sind, wie der LKW-Fahrer und das Deponiepersonal. Die Bürgerinnen und Bürger bekommen von dieser Strahlendosis nichts ab, ausführlich beschrieben ist dies im Jahresbericht 2016.

Keine zusätzliche zur natürlich vorhandenen Hintergrundstrahlung – zumindest nicht aus den eingelagerten Abfällen. Das Freiwerden von Staub verhindert die AVL dadurch, dass die Abfälle in Plastiksäcken verpackt angeliefert und nach dem Einbauen abgedeckt werden. Selbst wenn Staub freigesetzt würde, gilt für Sie als Besucher der Grenzwert einer maximalen Strahlendosis von 10 Mikrosievert pro Jahr (µSv/a). Eine solche Dosis wäre selbst dann nicht möglich, wenn man sich das über ganze Jahr über auf der Deponie aufhielte. Sich auf der Deponie aufzuhalten, führt daher nicht zu einer erhöhten Strahlenbelastung. Übrigens: Die Menschen in Deutschland sind laut dem Bundesamt für Strahlenschutz einer Strahlendosis von durchschnittlich etwa 2100 Mikrosievert pro Jahr ausgesetzt. Diese stammt unter anderem aus dem Weltall, aus natürlicher radioaktiver Strahlung in Böden und Gestein sowie aus Medizin und Technik (z.B. Röntgen). Diese Werte schwanken regional zwischen 1000 und 10.000 Mikrosievert. Der Grenzwert für freigemessene Abfälle liegt hingegen bei 10 Mikrosievert pro Jahr.

Eine Deponie ist ein komplexes technisches Bauwerk: Bevor die ersten Abfälle eingelagert werden, erhält sie eine Abdichtung zum Untergrund. Wenn die Deponie komplett gefüllt ist, wird auch die Oberfläche abgedichtet. So wird sichergestellt, dass auch Rückstände aus belasteten Mineralstoffen nicht in die Umwelt gelangen können. Dies überwachen wir zudem mit regelmäßigen Messungen an verschiedenen Stellen auf der und um die Deponie sowie durch Messungen des Sickerwassers der Deponien.

Eine Deponie soll bestimmte Materialien dauerhaft aus dem Stoffkreislauf entziehen. Das heißt, es ist nicht vorgesehen, die Abfälle dort jemals wieder auszubauen.

Ja! Das Öko-Institut hat untersucht, ob es zu unzulässigen Strahlenbelastungen kommen könnte, wenn man frühere Deponien nachnutzt, auf denen zuvor freigemessene Abfälle abgelagert wurden. Das Ergebnis: Selbst unter den ungünstigsten Ablagerungsbedingungen auf der Deponie kann es zu keinen Strahlenbelastungen von 10 Mikrosievert im Jahr oder mehr kommen, nachdem die Deponie ordnungsgemäß abdeckt worden ist. Das wäre sogar bei Wohnbebauung auf der Deponie nicht der Fall, erst recht nicht bei Spielplätzen, Wanderwegen, Kleingärten und allen sonstigen Ideen für die Nachnutzung aus der Zukunftswerkstatt 2015.

Die AVL ist gesetzlich dazu verpflichtet, den Müll zu entsorgen, der im Landkreis Ludwigsburg anfällt. Dies betrifft auch einen Teil des Blocks I des Kernkraftwerks Neckarwestheim. Auf den beiden derzeit betriebenen Deponien BURGHOF und AM FROSCHGRABEN sind spezielle Deponiefelder so eingerichtet, dass auch belastete Abfälle wie Klärschlämme oder Asbest dort sicher eingebaut werden und nicht in die Umwelt gelangen können. Dies gilt genauso für die freigegebenen Abfälle aus Neckarwestheim.

Es wäre aus verschiedenen Gründen nicht sinnvoll, auf dem Kraftwerksgelände eine neue Deponie zu errichten.

Erstens schreibt die „Deponieverordnung“ vom 27.04.2009 (§ 1-3 und Anhang 1) genaue Anforderungen vor, die ein neuer Deponiestandort erfüllen muss. Dazu zählen z. B. grundsätzliche Standortvoraussetzungen, geologische und hydrogeologische Bedingungen sowie Anforderungen an ein sicheres Basisabdichtungssystem. Diese Bedingungen lassen sich nicht ohne weiteres auf den Standort eines ehemaligen Kernkraftwerkes übertragen, für das ganz andere Bedingungen galten. So liegt das Kraftwerk Neckarwestheim beispielsweise direkt am Neckarufer. Darüber hinaus würde ein Planfeststellungsverfahren mehrere Jahre dauern.

Zweitens, die in Neckarwestheim anfallenden Abfälle wären mengenmäßig zu gering, um eine Deponie auszulasten.

Nein, es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Gebührenerhöhung und den Anlieferungen aus Neckarwestheim. Die EnBW muss für die zweckgerichtet freigegebenen Abfälle, die auf die Deponien kommen sollen, Anlieferungsentgelte bezahlen. Diese Entgelte werden von der AVL so kalkuliert, dass die EnBW auch für alle anfallenden Kosten aufkommt.